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Angststörungen

Wie helfen Onlinetherapien bei Panikstörung?

Studiencheck

Was sind Onlinetherapien?

Bei einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel Onlinetherapien. Eine Form der Onlinetherapie ist die internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie (iKVT). Es gibt sie als reines Selbsthilfeprogramm oder mit zusätzlichem Kontakt über Telefon oder E-Mail zu einer Therapeutin, einem Therapeuten. Während einer Onlinetherapie muss Kontakt zu einem Arzt oder Psychotherapeuten bestehen.

Was ist eine Panikstörung?

Betroffene erleben immer wieder Panikattacken. Dabei treten Symptome starker Angst auf, ohne dass es dafür einen konkreten Auslöser gibt.

Die Onlinetherapien können sich zwar in ihrer Länge, ihrem Aufbau und ihren Inhalten unterscheiden, jedoch beruhen alle auf denselben Methoden der kognitiven Verhaltenstheorie. Die Programme vermitteln Wissen über die Erkrankung und leiten zudem dazu an, bestimmte Übungen selbstständig vorzunehmen. Dies soll bei der Bewältigung der Erkrankung helfen. Die Nutzer und Nutzerinnen durchlaufen während der iKVT mehrere Stationen mit Inhalten, die aufeinander aufbauen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Betroffene einer Panikstörung, die eine Onlinetherapie angewendet hatten, zeigten nach dem Ende der Behandlung weniger Symptome als Betroffene, die in dieser Zeit keine Onlinetherapie benutzten, sondern auf die Anwendung warteten.

Einschränkung der Ergebnisse

Die einzelnen untersuchten Studien unterschieden sich stark voneinander. Ihre Ergebnisse lassen sich also nur bedingt auf andere Onlinetherapien übertragen. Zudem wussten die Teilnehmenden und ihre Therapeuten, wer die Onlinetherapie erhielt und wer auf der Warteliste war. Dies kann die Ergebnisse beeinflussen. In den meisten der untersuchten Studien hielten die Teilnehmenden per Telefon oder E-Mail Kontakt zu einer Therapeutin, einem Therapeuten. Daher ist unklar, ob sich die Ergebnisse auf alle Formen der Onlinetherapie übertragen lassen.

Was wurde untersucht?

In einer systematischen Übersichtsarbeit wurden die Ergebnisse von neun randomisiert-kontrollierten Studien mit 572 Betroffenen herangezogen. In ihnen war untersucht worden, ob sich die Beschwerden der Panikstörung bei Personen, die eine Onlinetherapie anwendeten, stärker verringerten als bei Personen, die zunächst keine Onlinetherapie bekamen. Letztere warteten auf eine spätere Anwendung der Onlinetherapie.

Dafür wurden Erwachsene mit einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) zufällig in zwei Gruppen 
aufgeteilt:

  • Die eine Gruppe erhielt Zugang zu einer Onlinetherapie, die von psychologischem Fachpersonal per E-Mail oder Telefon begleitet wurde.
  • Die andere Gruppe erhielt zunächst keinen Zugang zu einer Onlinetherapie, sondern wartete in dieser Zeit darauf (Warteliste). In einigen Studien erhielten die Teilnehmer in dieser Gruppe zusätzliches Informationsmaterial.

In den einzelnen Studien wurden verschiedene Programme angewendet. Sie ähneln sich jedoch in Aufbau und Inhalten. Bei acht von neun Onlinetherapien gab es regelmäßige Rückmeldung durch psychologisches Fachpersonal. Die Onlinetherapien dauerten zwischen 6 bis 12 Wochen.

Studienergebnisse

Nutzen der Behandlungsmethode

Die Stärke der Symptome der Panikstörung wurde zu Beginn und nach Ende der Behandlung untersucht. Dies erfolgte in fast allen Studien anhand eines Fragebogens, der sogenannten Panic Disorder Severity Scale (PDSS). Der PDSS-Wert zeigt den Schweregrad einer Panikstörung an. Er kann zwischen 0 und 28 Punkten liegen. Je höher der PDSS-Wert ist, desto stärker sind die Beschwerden durch die Panikstörung.

Folgende Ergebnisse wurden erzielt:

  • Mit einer Onlinetherapie lagen die Werte nach zwei Monaten Anwendung im Durchschnitt bei etwa sechs Punkten.
  • Ohne Onlinetherapie lagen die Werte nach zwei Monaten Warten auf die Onlinetherapie im Durchschnitt bei etwa 12 Punkten.

Bei dem Ergebnis handelt es sich um einen durchschnittlichen Wert. Das Ausmaß der spürbaren Besserung kann für die Betroffenen individuell unterschiedlich sein. Es kam nicht bei allen Betroffenen mit der Onlinetherapie zu einer Besserung.

Es wurde nur die Wirksamkeit unmittelbar nach Abschluss der Onlinetherapie untersucht. Daher bleibt ungewiss, ob und wie lange die Wirksamkeit anhält.

In den Programmen wurden die Inhalte der kognitiven Verhaltenstherapie unterschiedlich umgesetzt. Es waren alle untersuchten Onlinetherapien wirksam, jedoch in unterschiedlich starkem Ausmaß. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass bestimmte Inhalte oder bestimmte Kombinationen von Inhalten wirksamer sind als andere. Worum es sich dabei genau handelt, ist noch zu erforschen. Es ist unklar, ob die Ergebnisse dieser Studien für eine Form der Onlinetherapie gelten können, die nicht untersucht wurde.

In elf von zwölf Studien gab es Kontakt zu psychologischem Fachpersonal via E-Mail oder Telefon. Dies schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Onlinetherapien ein, die als reine Selbsthilfeprogramme angeboten werden.

Schaden der Behandlungsmethode

In der Übersichtsarbeit finden sich keine Angaben über Nebenwirkungen. Das schließt nicht aus, dass Nebenwirkungen auftreten können.

Die Ergebnisse stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit, die insgesamt 15 randomisiert-kontrollierte Studien berücksichtigte. In 9 dieser 64 randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) mit insgesamt 572 Erwachsenen wurde die Wirksamkeit der Onlinetherapie bei einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) untersucht. Der Altersdurchschnitt der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer lag bei 36 Jahren. Der Frauenanteil betrug 68 Prozent. Die Studien wurden in Australien, Schweden, den Niederlanden und Spanien durchgeführt.

Die methodische Qualität der Übersichtsarbeit wurde als moderat bewertet. Zu der Übersichtsarbeit ist kritisch anzumerken, dass die Suchstrategie nicht vollständig berichtet wurde und nicht vermerkt ist, aus welchen Gründen Studien ausgeschlossen wurden. Zudem wurden die statistischen Methoden nicht ausführlich dokumentiert. Diese fehlende Transparenz schränkt das Vertrauen in die Ergebnisse ein. Die Autoren der Übersichtsarbeit schätzen die methodische Qualität von sieben der zwölf Studien als gut ein und von fünf als unklar.

Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar, sondern basieren auf den besten derzeit verfügbaren Erkenntnissen.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Andersson G, Titov N, Dear BF, Rozental A, Carlbring P. Internet-delivered psychological treatments: from innovation to implementation. World Psychiatry 2019; 18(1):20–8. doi: 10.1002/wps.20610.

Bandelow B, Aden I, Alpers GW et al. Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen; Version 2.0 - AWMF-Register-Nr. 051-028; 2021.

Stech EP, Lim J, Upton EL, Newby JM. Internet-delivered cognitive behavioral therapy for panic disorder with or without agoraphobia: a systematic review and meta-analysis. Cogn Behav Ther 2020; 49(4):270–93. doi: 10.1080/16506073.2019.1628808.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jannis Krupp
Porträtfoto von Jannis Lippisch

Jannis Krupp

Multimedia-Producer
Jannis Krupp studierte Multimedia Produktion. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert er multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
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Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
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Dr. Pia Gamradt
Dr. Pia Gamradt

Dr. Pia Gamradt

Referentin Evidenzbasierte Medizin
Dr. Pia Gamradt ist studierte Biologin mit Schwerpunkt immunologische Grundlagenforschung. Für die Stiftung erstellt sie wissenschaftliche Inhalte für multimediale Informationsangebote und unterstützt bei wissenschaftlichen Projekten.
Wissenschaftliche Beratung:
MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.
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Dr. med. Dagmar Lühmann
Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Medizin an der Universität zu Lübeck. Nach dem Examen arbeitete sie als Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie und promovierte dort zum Thema "Auswirkungen von Quecksilberexposition auf das menschliche Immunsystem". Später arbeitete sie am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck mit dem Schwerpunkt evidenzbasierte Medizin und Bewertung von medizinischen Verfahren (Health Technology Assessment). Seit 2013 ist sie als Forschungskoordinatorin am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.

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Aktualisiert am: 04.02.2026