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Angststörungen

Wie werden Agoraphobie und Panikstörung festgestellt?

Ob eine Agoraphobie oder Panikstörung vorliegt, lässt sich im Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin klären. Dabei werden die konkreten Beschwerden und die Situationen erfasst, in denen Angst aufgetreten ist. Auch andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Erfahren Sie mehr darüber, wie man eine Panikstörung oder Agoraphobie feststellen kann.

Ablauf der Diagnostik

Wie stellt der Arzt eine Panikstörung oder Agoraphobie fest?

Wenn der Verdacht besteht, dass Angst krankhaft auftritt und wir uns in unserem Lebensalltag durch Ängste beeinträchtigt fühlen, kann ein Arzt, eine Ärztin oder eine Psychotherapeutin, ein Psychotherapeut feststellen, ob eine Angststörung vorliegt und um welche Form von Angststörung es sich handelt. Ein erster Schritt ist das Gespräch mit dem Arzt bzw. der Ärztin oder das Gespräch zwischen dem Patienten und dem Therapeuten, der Therapeutin. Dabei werden die Patientinnen und Patienten sehr genau dazu befragt, wie sich die Ängste äußern, in welchen Situationen sie auftreten und welche Beschwerden damit konkret verbunden sind.

Welche Ärzte sind bei Angststörungen zuständig?

Bei Verdacht auf eine Angststörung ist der Hausarzt oder die Hausärztin die mögliche erste Anlaufstelle. Man kann sich aber auch direkt an einen Facharzt, eine Fachärztin wenden.

Auch nach typischen Merkmalen anderer psychischer und körperlicher Erkrankungen wird im Arzt-Patienten-Gespräch gefragt. Die Diagnose einer Angststörung wie einer Agoraphobie oder Panikstörung kann erst gestellt werden, wenn die typischen Merkmale dafür vorliegen und andere Krankheiten ausgeschlossen sind.

Für die Diagnose sind auch die Lebensumstände und mögliche seelische Belastungen des Patienten oder der Patientin relevant. Sie können Hinweise auf mögliche Ursachen der Angststörung liefern. Manchmal ergeben sich auch Anhaltspunkte, welche Faktoren die Angststörung begünstigt haben könnten. Diese Erkenntnisse helfen bei der Auswahl einer geeigneten Therapie.

Symptome

Welche Merkmale sprechen für eine Panikstörung?

Eine Panikstörung äußert sich durch schwere Anfälle von Angst – sogenannte Panikattacken. Panikattacken gehen typischerweise mit heftigen körperlichen Reaktionen wie Herzrasen oder Zittern einher. Sie beginnen völlig unverhofft, ohne jede erkennbare reale Gefahr, und hören nach spätestens 2 Stunden von selbst wieder auf. Es gibt auch keinen anderen erkennbaren Auslöser.

Von einer Panikstörung spricht man, wenn nach einer Panikattacke mindestens eines der folgenden Symptome auftritt:

  • Sie machen sich Sorgen, weitere Panikattacken zu erleiden oder über Folgen der Attacken. Typische Gedanken sind: „Ich werde verrückt“ oder „Ich bekomme vor Angst einen Herzinfarkt“.
  • Sie ändern Ihr Verhalten, um weitere Panikattacken zu vermeiden. So begeben manche Betroffene sich nicht mehr in unbekannte Situationen. 

Panikstörung und Agoraphobie: Wie äußern sie sich?

Beide, die Panikstörung und die Agoraphobie, sind mit wiederkehrenden Angstzuständen verbunden. Erfahren Sie, welche Symptome bei diesen Angsterkrankungen im Einzelnen auftreten können:

Welche Merkmale sprechen für eine Agoraphobie?

Eine Agoraphobie liegt dann vor, wenn die Angst hauptsächlich in mindestens zwei der folgenden Situationen auftritt:

  • In öffentlichen Verkehrsmitteln, z. B. im Bus oder im Taxi
  • Auf offenen Plätzen, z. B. auf Parkplätzen oder Marktplätzen
  • In geschlossenen öffentlichen Räumen, z. B. in Geschäften oder im Kino
  • In einer Menschenmenge
  • Allein außerhalb des eigenen Zuhauses

Die Ärztin, der Arzt muss dabei ausgeschlossen haben, dass die erlebte Angst in diesen Situationen mit anderen psychischen Störungen wie Wahn- oder Zwangsgedanken zusammenhängt. 
Ein typisches Merkmal für eine Agoraphobie ist außerdem ein Vermeidungsverhalten. Menschen mit einer Agoraphobie vermeiden aufgrund ihrer Angsterfahrungen die angstauslösenden Situationen oder Orte.

Andere Ursachen

Gibt es Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden?

Symptome wie Herzrasen, Schwitzen und Schwindel, wie sie typischerweise bei Angststörungen auftreten, können auch bei bestimmten körperlichen Krankheiten eine Rolle spielen. Deshalb müssen andere körperliche Ursachen für die angstartigen Beschwerden ausgeschlossen werden.

Körperliche Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden wie bei einer Angststörung sind zum Beispiel:

•    Lungenerkrankungen, z. B. Asthma bronchiale
•    Herzerkrankungen, z. B. Herzrhythmusstörungen
•    Neurologische Erkrankungen, z. B. Epilepsie
•    Erkrankungen mit Hormonstörungen, z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion

Ebenso können Medikamente, die bei bestimmten Krankheiten eingesetzt werden, Nebenwirkungen haben und damit ähnliche körperliche Beschwerden wie eine Panikstörung hervorrufen. Auch diese Ursachen muss der Arzt, die Ärztin ausschließen, bevor die Diagnose einer Angststörung gestellt wird.

Zu den Medikamenten, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie eine Angststörung, gehören zum Beispiel:

  • abschwellende Nasensprays
  • Schilddrüsenmedikamente
  • Medikamente mit dem Wirkstoff Salbutamol, die zur Behandlung von Lungenkrankheiten wie Asthma bronchiale oder der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) eingesetzt werden

Wie schließt der Arzt andere Ursachen aus?

Um die Ursache für die Angstsymptome festzustellen, beginnt die Ärztin, der Arzt mit einem ausführlichen Gespräch über die Krankengeschichte und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. So lassen sich mögliche körperliche oder psychische Grunderkrankungen als Ursachen für die Beschwerden ausschließen. Außerdem wird geklärt, ob die Angstsymptome als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten könnten. Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der Arzt, die Ärztin gezielt weitere Schritte anordnen, z. B.

  • Blutuntersuchungen zeigen, ob Hormon- oder Stoffwechselstörungen vorliegen
  • Ein EKG zeigt, ob eine Herzerkrankung besteht
  • Ein Lungenfunktionstest zeigt, ob die Beschwerden durch eine Lungenerkrankung verursacht werden.
  • Mit CT, MRT oder EEG lassen sich Erkrankungen der Nerven oder des Gehirns feststellen.

Angst vorm Fliegen, vor Spinnen oder Orten mit vielen Menschen

Neben Agoraphobie und Panikstörung gibt es weitere Formen von Angststörungen. Erfahren Sie, welche verschiedenen Angststörungen man unterscheidet und wie sie eingeteilt werden.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5. Aufl. Arlington (VA): American Psychiatric Publishing; 2013.

Bandelow B, Aden I, Alpers GW et al. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen; Version 2.0 - AWMF-Register-Nr. 051-028; 2021.

DeGeorge KC, Grover M, Streeter GS. Generalized Anxiety Disorder and Panic Disorder in Adults. Am Fam Physician 2022; 106(2):157–64.

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) (Hrsg.). Hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Angst: DEGAM-Praxisempfehlung; 2021. Verfügbar unter: https://www.degam.de/degam-praxisempfehlungen [06.05.2025].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jannis Krupp
Porträtfoto von Jannis Lippisch

Jannis Krupp

Multimedia-Producer
Jannis Krupp studierte Multimedia Produktion. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert er multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
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Lisa-Marie Ströhlein
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Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
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Dr. Pia Gamradt
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Dr. Pia Gamradt

Referentin Evidenzbasierte Medizin
Dr. Pia Gamradt ist studierte Biologin mit Schwerpunkt immunologische Grundlagenforschung. Für die Stiftung erstellt sie wissenschaftliche Inhalte für multimediale Informationsangebote und unterstützt bei wissenschaftlichen Projekten.
Wissenschaftliche Beratung:
Dr. med. Dagmar Lühmann
Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Medizin an der Universität zu Lübeck. Nach dem Examen arbeitete sie als Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie und promovierte dort zum Thema "Auswirkungen von Quecksilberexposition auf das menschliche Immunsystem". Später arbeitete sie am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck mit dem Schwerpunkt evidenzbasierte Medizin und Bewertung von medizinischen Verfahren (Health Technology Assessment). Seit 2013 ist sie als Forschungskoordinatorin am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.
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MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.

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Aktualisiert am: 04.02.2026