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Angststörungen

Helfen Antidepressiva bei Panikstörung?

Studiencheck

Antidepressiva bei Panikstörung

Bei einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Eine ist die Einnahme eines Antidepressivums aus der Gruppe der sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Bei der Behandlung von Panikstörungen werden sie mit dem Ziel eingesetzt, die Häufigkeit der Angstattacken und die Schwere der Angstsymptome zu mindern. Der Einsatz von SSRI beruht auf der Annahme, dass bei der Panikstörung ein Mangel an bestimmten Botenstoffen wie Serotonin im Gehirn eine Rolle spielen kann. SSRI sorgen dafür, dass wieder mehr Serotonin verfügbar ist.

Die Ergebnisse auf einen Blick

Nach der Behandlung mit einem Antidepressivum (SSRI) zeigten mehr Personen einen Rückgang der Symptome einer Panikstörung als in der Gruppe, die ein Scheinmedikament (Placebo) erhielt. Allerdings brachen mehr Personen, die ein Antidepressivum nahmen, die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Einschränkung der Ergebnisse

Die Ergebnisse gelten nur für die Symptomlinderung direkt nach Abschluss der Behandlung. Ob und wie lange diese Verbesserung andauerte, wurde nicht erhoben.

Was wurde untersucht?

In einer systematischen Übersichtsarbeit wurden der Nutzen und Schaden der Behandlung mit einem Antidepressivum (SSRI) im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) bei Menschen mit Panikstörung untersucht.

In den Studien wurden Erwachsene mit einer Panikstörung zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmenden erhielten entweder

  • ein SSRI oder
  • ein Scheinmedikament (Placebo).

Die Betroffenen nahmen die Medikamente über zwei bis sechs Monate hinweg mit individuell angepasster Dosierung ein. Am Ende der Behandlung wurde erhoben, bei wie vielen Betroffenen die Symptome der Panikstörung noch bestanden oder zurückgegangen waren.

Zudem verglichen die Forscherinnen und Forscher, wie viele Personen die Behandlung mit einem SSRI oder einem Scheinmedikament aufgrund von Nebenwirkungen abbrachen.

Nutzen der Behandlungsmethode

Hilft ein Antidepressivum (SSRI) bei einer Panikstörung?

An 2.987 Erwachsenen mit einer Panikstörung wurde untersucht, bei wie vielen Betroffenen die Beschwerden einer Panikstörung zurückgingen oder weiterhin bestanden. Der Rückgang der Panikstörung wurde nach Abschluss der Behandlung mit diagnostischen Fragebögen erfasst.

Es kam zu folgenden Ergebnissen:

•    Bei 48 von 100 Betroffenen, die ein SSRI eingenommen hatten, wurde ein Rückgang der Symptome beobachtet. 
•    Bei 38 von 100 Betroffenen, die ein Scheinmedikament eingenommen hatten, wurde ein Rückgang der Symptome beobachtet.

Schaden der Behandlungsmethode

Wie viele Personen brachen die Behandlung mit einem Antidepressivum (SSRI) aufgrund von Nebenwirkungen ab?

In Studien mit insgesamt 3.679 Erwachsenen wurde untersucht, wie viele Personen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrachen.

Es kam zu folgenden Ergebnissen:

•    31 von 100 Personen mit Antidepressivum (SSRI) brachen die Behandlung vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen ab. 
•    34 von 100 Personen mit Scheinmedikament (Placebo) brachen die Behandlung vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen ab. 
•    Es wurde nicht untersucht, welche Nebenwirkungen wie oft auftraten.

In der systematischen Übersichtsarbeit wurde nur unmittelbar nach dem Ende der Behandlung untersucht, ob ein Antidepressivum (SSRI) wirkt. Es bleibt daher ungewiss, ob die Wirksamkeit über längere Zeit anhält.

Es wurde nicht ermittelt, welche Nebenwirkungen wie oft auftraten. Der Behandlungsabbruch aufgrund von Nebenwirkungen ist die einzige Information aus den Studien, die einen Hinweis auf mögliche Nebenwirkungen der Therapien liefert.

Angaben zu Nebenwirkungen aus anderen Quellen 

Kritisch zu berücksichtigen ist, dass die meisten Studien von Pharmaherstellern finanziert wurden. Dies könnte zu einer Überschätzung des Nutzens und einer Unterschätzung des Schadens der Antidepressiva (SSRI) führen.

Was ist eine Panikstörung?

Betroffene erleben immer wieder Panikattacken. Dabei treten Symptome starker Angst auf, ohne dass es dafür einen konkreten Auslöser gibt.

Die Ergebnisse zur Wirksamkeit stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit, die die Daten von 14 randomisiert-kontrollierten Studien berücksichtigte. Insgesamt nahmen 2.987 Erwachsene mit einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) an den Studien teil.

Die Ergebnisse zum Abbruch der Therapie aufgrund von Nebenwirkungen stammen aus derselben systematischen Übersichtsarbeit und beruhen auf den Daten von 15 randomisiert-kontrollierten Studien, an denen insgesamt 4.131 Erwachsene mit einer Panikstörung (mit und ohne Agoraphobie) teilnahmen.

Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmenden lag zwischen 32 und 46 Jahren. Zwischen 40 und 90 Prozent von ihnen waren Frauen. Die meisten Behandlungen fanden ambulant statt, andere stationär oder in hausärztlicher Versorgung.

Die methodische Qualität der systematischen Übersichtsarbeit ist sehr gut. Allerdings wurde die Qualität der einzelnen Studien von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern insgesamt als niedrig eingestuft, was das Vertrauen in die Ergebnisse einschränkt.

Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar, sondern basieren auf den besten derzeit verfügbaren Erkenntnissen.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Bandelow B, Aden I, Alpers GW et al. Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen; Version 2.0 - AWMF-Register-Nr. 051-028; 2021.

Gelbe Liste. Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI); letzte Aktualisierung: 17.07.2024. Verfügbar unter: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/ssri [05.06.2025].

Guaiana G, Meader N, Barbui C et al. Pharmacological treatments in panic disorder in adults: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev 2023; 11(11):CD012729. doi: 10.1002/14651858.CD012729.pub3.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jannis Krupp
Porträtfoto von Jannis Lippisch

Jannis Krupp

Multimedia-Producer
Jannis Krupp studierte Multimedia Produktion. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert er multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
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Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
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Dr. Pia Gamradt
Dr. Pia Gamradt

Dr. Pia Gamradt

Referentin Evidenzbasierte Medizin
Dr. Pia Gamradt ist studierte Biologin mit Schwerpunkt immunologische Grundlagenforschung. Für die Stiftung erstellt sie wissenschaftliche Inhalte für multimediale Informationsangebote und unterstützt bei wissenschaftlichen Projekten.
Wissenschaftliche Beratung:
MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.
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Dr. med. Dagmar Lühmann
Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Medizin an der Universität zu Lübeck. Nach dem Examen arbeitete sie als Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie und promovierte dort zum Thema "Auswirkungen von Quecksilberexposition auf das menschliche Immunsystem". Später arbeitete sie am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck mit dem Schwerpunkt evidenzbasierte Medizin und Bewertung von medizinischen Verfahren (Health Technology Assessment). Seit 2013 ist sie als Forschungskoordinatorin am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.

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Aktualisiert am: 04.02.2026