Angst ist eigentlich ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns in gefährlichen Situationen warnt. Wenn die Angst jedoch zum Selbstläufer wird und vermehrt auftritt, ohne dass es einen realen Anlass dafür gibt, liegt eine Angststörung vor. Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen Formen von Angststörungen, was mögliche Ursachen sind und wie sie entstehen.
Angst ist ein natürliches Gefühl, das uns normalerweise vor Gefahren und Bedrohungen warnt. Durch das Angstgefühl wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Wir beginnen, die Gefährlichkeit einer Situation und unsere Handlungsmöglichkeiten abzuwägen und geeignete Abwehrmaßnahmen zu treffen. Das können zum Beispiel Reaktionen wie Flucht, Abwarten oder Angriff sein. Ist die Bedrohungssituation vorbei, verschwindet auch die Angst.
Anders ist das bei einer Angststörung. Eine Angststörung besteht, wenn Angstreaktionen in eigentlich ungefährlichen Situationen auftreten. Die Angst steht in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung. Betroffene erleben die Angst dennoch psychisch und körperlich sehr intensiv. Sie erkennen unter Umständen zwar, dass ihre Angst unangemessen oder unbegründet ist, sie können sie aber nicht ausschalten oder kontrollieren.
Die Angsterlebnisse treten immer wieder auf. Dies kann unabhängig von konkreten Auslösern geschehen oder in bestimmten Situationen oder an bestimmten Orten. Menschen mit Angststörungen versuchen dann zumeist, diese angstauslösenden Situationen oder Orte zu meiden.
In extremen Fällen können Angststörungen dazu führen, dass sich Betroffene völlig zurückziehen. Angststörungen können auch Arbeitsunfähigkeit verursachen.
Was sind Angststörungen?
Ein wichtiger Begleiter in unserem Leben ist die Angst. Sie warnt uns vor gefährlichen Situationen, damit wir diese richtig einschätzen und entsprechend reagieren können. Allerdings kann es auch passieren, dass die Angst übermächtig wird und plötzlich auch in ungefährlichen Situationen auftritt. Dann ist sie nicht mehr hilfreich und wird zu einer Krankheit, der Angststörung.
Bei dieser Krankheit steht die Angst nicht im Verhältnis zur Gefahr. Die Angst wird als viel intensiver empfunden und kann sehr häufig auftreten. Typische Symptome sind unter anderem Atembeschwerden, wie ein Gefühl zu ersticken, Herzrasen, Schwindel, Schwitzen und Zittern sowie ein Gefühl des absoluten Kontrollverlustes. Diese sind je nach Angststörung mehr oder weniger stark ausgeprägt.
Etwa 15 von 100 Menschen in Deutschland berichten über Symptome einer Angststörung, doch nur etwa die Hälfte von ihnen erhält eine ärztliche Diagnose. Frauen sind jeweils häufiger betroffen als Männer. Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Sie treten im Durchschnitt bereits mit 21 Jahren auf.
Es wird unterschieden zwischen Angststörungen mit erkennbarem Auslöser, wie Phobien, Angststörungen ohne erkennbarem Auslöser, wie Panikstörungen, und der generalisierten Angststörung, bei der Sorgen und übertriebene Befürchtungen ständig und in nahezu allen Lebensbereichen auftreten.
Wie Angststörungen entstehen, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass mehrere Umstände zur Entstehung beitragen. Dazu zählen unter anderem genetische Veranlagungen, Urängste, die in der Menschheitsgeschichte das Überleben sicherten, stark belastende Lebensumstände, wie hoher Stress, aber auch falsch erlerntes Verhalten.
Angststörungen verschwinden selten von allein. Sie neigen dazu, fortzubestehen und sich zu verschlimmern. Oft entwickelt sich daraus eine Angst vor der Angst selbst und ein ausgeprägtes Verhalten, die ängstigenden Situationen zu vermeiden. Die möglichen Folgen: starke Einschränkungen im Leben bis hin zu einem völligen Rückzug.
Angststörungen werden durch ein ausführliches Gespräch mit Ärzten und Psychologen, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls ergänzende Untersuchungen, wie Blutuntersuchungen, festgestellt. Dabei werden alle Krankheitsanzeichen ausgewertet und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen, wie z.B. Erkrankungen der Schilddrüse, des Herzens oder der Lunge oder andere psychische Störungen.
Im Rahmen der Behandlung sollen die Angstsymptome und das Vermeidungsverhalten reduziert werden. Dadurch soll die Lebensqualität verbessert werden und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden.
Weitere Informationen zu Angststörungen finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.
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Bei den Angststörungen unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen ‒ je nachdem, wie sie ausgelöst werden
Sind Angststörungen mit konkreten Auslösern verbunden, nennt man sie auch Phobien. Phobien werden durch bestimmte Objekte oder Situationen ausgelöst. Eine bekannte Phobie ist zum Beispiel die Agoraphobie, bei der sich Betroffene vor Menschenansammlungen und öffentlichen Plätzen fürchten. Sie wird deshalb auch „Platzangst“ genannt. Weitere geläufige Phobien sind Spinnenangst, Schlangenangst, Flugangst, Spritzenangst, Höhenangst oder Angst vor engen Räumen wie Fahrstühlen, die sogenannte Klaustrophobie.
Auch die soziale Phobie gehört zu den spezifischen Ängsten, die sich auf konkrete Auslöser beziehen. Betroffene haben Angst vor Situationen, in denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, zum Beispiel beim Sprechen vor größeren Gruppen, in Team-Besprechungen oder bei Behördengängen. Sie fühlen sich beobachtet und fürchten sich vor den Urteilen der anderen. Sie haben Angst davor, etwas falsch zu machen oder sich zu blamieren.
In welchem Ausmaß diese Phobien den Alltag oder das Leben der Betroffenen einschränken, kann sehr unterschiedlich sein.
Bei anderen Angststörungen sind keine konkreten Auslöser für die Angst erkennbar. Zu diesen Angststörungen gehören die Panikstörung und die generalisierte Angststörung.
Menschen mit einer Panikstörung geraten immer wieder plötzlich und ohne erkennbare Ursache in Panik. Typisch für eine Panikattacke sind heftige körperliche Reaktionen. Dazu können zum Beispiel Herzrasen, Schweißausbrüche oder Atemnot gehören. Panikattacken treten anfallsartig auf.
Die Beschwerden bei der generalisierten Angststörung sind dagegen andauernd vorhanden. Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind ständig von übertriebenen Ängsten geleitet. Sie befürchten zum Beispiel, dass ihnen selbst oder nahestehenden Personen ein Unfall passiert oder dass sie eine ernste Krankheit bekommen. Dies geschieht, ohne dass es dafür konkrete Anlässe oder reale Anhaltspunkte gibt.
Wie werden Angststörungen festgestellt? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und wie gehen Betroffene mit der Erkrankung um? Am Beispiel der Panikstörung und der Agoraphobie stellen wir Diagnostik, Therapie und Leben mit Angststörungen vor.
Angaben zur Häufigkeit von Angststörungen liegen aus einer großen Bevölkerungsstudie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland vor. Demnach berichten in Deutschland etwa 9 von 100 Männern und 21 von 100 Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren, innerhalb eines Jahres von Symptomen einer Angststörung betroffen zu sein. Die ärztliche Diagnose einer Angststörung erhält jedoch nur ca. die Hälfte der betroffenen Menschen. 15 von 100 Frauen und 5 von 100 Männern berichten, eine spezifische Angststörung (Phobie) zu haben, also eine Angststörung, die einen konkreten Auslöser hat.
Menschen mit Angststörungen nehmen harmlose Situationen als Bedrohung wahr. Die Angst kann sich bis zur Panikattacke steigern. Doch was passiert dabei im Körper und warum kommt es dazu?
Wie genau Angststörungen entstehen, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren dabei zusammenspielen. Zu den diskutierten Entstehungsfaktoren von Angststörungen gehören zum Beispiel:
• Einschneidende persönliche Lebensereignisse in der Vergangenheit
• Stress und Belastungen im Zusammenleben oder Zusammenarbeiten mit anderen Menschen
• Falsch erlernte und verinnerlichte Verhaltensweisen
• Körperliche Faktoren wie etwa ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn
• Bestimmte Erbanlagen (Gene)
Bei den spezifischen Phobien wird vermutet, dass erblich verankerte Urängste eine Rolle spielen. Solche Urängste haben in ferner Vergangenheit einmal einen Überlebensvorteil geboten, wie zum Beispiel die Angst vor gefährlichen Tieren, etwa Schlangen.
Angststörungen können die Lebensqualität sehr beeinträchtigen. Liegt der Verdacht auf eine solche Störung vor, kann man sich an seinen Arzt oder seine Ärztin wenden. Angststörungen können behandelt werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten – welche im Einzelnen infrage kommt, hängt von der Art der Angststörung ab.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Aktualisiert am: 04.02.2026